Erwartungen Medial
Das perfide Spiel mit den „Synapsen der Erwartungen“.
Modernes Kommunizieren ist eine perfide, psychologische Angelegenheit.
Das Modell des „Sender - Empfänger- Prinzips“ ist so alt, wie die Menschheit selbst. Und hat heute wie damals stets zu Verwicklungen geführt.
Gründe für diese´Missverständnisse´sind:
- Weil der Sender einer Botschaft diese stets so gestaltet, dass es aus seiner Sicht logisch und eindeutig ist und doch wohl auf der Hand liegt, was er damit sagen möchte.
- Doch, und das ist das Problem, dies noch lange nichts mit der Situations-Logik
des Empfangenen zu tun hat.
- Denn dieser wird sich beizeiten beim Betrachten der Nachricht fragen:
Was will der andere mir damit sagen?
oder … obwohl es angezeigt wäre, sich diese Frage eben nicht stellt.
Es versäumt, diese Botschaft erst mal auf sich wirken zu lassen und einzuordnen – bevor(!) man mitunter eingeschnappt ist oder bisweilen lospoltert, In ganz extremen Fällen - sogar alles was irgendwie geht, missinterpretieren möchte(!).
Dieses Phänomen „mit einer Aussage für Verwirrung zu sorgen “, war vor rd. 15 Jahren noch darauf beschränkt, dies durch ein persönliches Aufeinandertreffen oder einem verfassten Brief auszulösen.
Ist aber heute durch die zusätzlich medialen Möglichkeiten quasi super-potentiert und eskaliert bisweilen. Gipfelt dann beizeiten in eine zu schnell verfasste, hektische
Kommunikations-Krise.
Was meine ich damit?
Nun, jeder, der sein Handy als modernes Kommunikationsmittel mit Instagram DMs, Twitch oder Ähnliches benutzt, muss gar nur nicht mehr erahnen, was ich meine.
Es geht längst nicht mehr nur darum, die rein geschriebene Botschaften an sich falsch verstehen zu können … . Dies kann stets durch Schludrigkeit im Schreiben, beim schnell oberflächlichen Lesen
und Verdrehen des Inhalts durch inkorrekte Satzstellung oder fehlenden Satzzeichen in Gänze geschehen. Denn, es. Nimmt sich kaum noch jemand recht die Zeit, sorgfältig zu überlegen und zu
formulieren.
Und, jetzt kommt heuer noch was dazu: Jetzt reicht schon eine ganz Hinterlistige Sache, um eine Situation zum „Explodieren zu bringen“. Denn schlimmer geht ja bekanntermaßen noch immer.
Liebe Zuhörenden:
Schon alleine das pure Erwarten(!) einer Nachricht, löst beim anderen mitunter eine Sinnkrise aus. Und damit meine ich beide Faktoren. Also einmal die zeitliche Thematik, wann nun die Antwort endlich kommt, genauso, wie den unausgesprochenen Anspruch darauf, überhaupt eine Nachricht zu erhalten, auf die ich ja bitteschön einen Mindestanspruch habe.
Motto: Jetzt schlägst aber dreizehn, wenn ich keine Nachricht (= keine Aufmerksamkeit von dir) erhalte.
Na? Kommt ihnen das bekannt vor? Hand aufs Herz! Und das stets in beide Richtungen.
An dieser Stelle hat der Schreibende dabei die größte Macht und lustigerweise auch dann, wenn er nicht schreibt, aber dran wäre, zu schreiben. Aber dazu später mehr.
Interessant ist an dieser Stelle:
Das Thema der „Erwartung“ einer Medialen Kommunikation wird dabei oft als brutaler empfunden, als der Inhalt der Botschaft selbst, die ich dann später tatsächlich lese.
Was nicht geschrieben ist oder wird und nicht ankommt, hat also auch eine Macht über mich … und die straft mich eben beizeiten noch mehr ab, als der eigentliche Text.
Verrückt, oder?
Insbesondere gilt der Umstand immer dann besonders, wenn es darum geht, Beziehungen aufzubauen, zu erhalten oder sogar, sie zu beginnen.
Stichwort: Kennenlernen.
Jeder, der zu Beginn einer Dating Phase versucht, mit dem Handy Kommunikation zu betreiben, wird früher oder später daran oder damit scheitern.
Sobald sich nämlich dieses Kommunikationsmittel, den anderen kennen zu lernen, als Medium durchsetzt, also das Persönliche aufeinandertreffen fehlt oder nicht mindestens gleich hoch von der
Quantität des Kommunikationskanals aufrecht erhalten wird, kann es, aus meiner Sicht, nur zu einer Dauerenttäuschungen kommen.
Denn was passiert zwangsläufig? Hier mal ein Alltagsbeispiel.
Der Sender tippt etwas in sein Handy. Dieser befindet sich in einer Euphorie der guten Laune- einer Top-Stimmungslage, die dem Empfangenen nicht bekannt ist – wie auch.
Der Empfangene bekommt diese Mitteilung jedoch in seiner aktuellen Gemütslage überstellt, die der andere nicht interpretieren kann, weil ebenfalls unbekannt … , einer Stimmung,
die ggfs. dem Feeling vom Sender genau entgegenläuft.
Dieser Empfangene nämlich ist grade maulig und genervt – aus Gründen, die aktuell um ihn herum passieren.
Es kommt, wie es kommen muss … vor allem, wenn man sich noch nicht ausreichend kennt.
Plötzlich eskalieren einfache Sätze zu kleinen Kommunikations-Bomben. Wie zum Beispiel der Satz: „Wann kommst du?“
Klingt ja mal echt simpel und harmlos, oder?
Spielen wir das mal durch:
Der Sender, der in seiner Euphorie diesen Satz schreibt, weil dieser sich tierisch freut, den anderen endlich zu sehen, denkt sich natürlich nix böses und will einfach wissen, wann der andere
eintrudelt und wann er die Getränke, das Essen und den Film klar macht … und … fängt sich prompt beim Anderen „einen ein“. Warum?
Tja, dieser ist, wie eben bereits erwähnt, ggfs. grade im Vollstress und hat noch ganz andere Sorgen aktuell.
Diese kleine, harmlos daherkommende Frage, kommt beim gestressten, unter Hektik stehenden Empfangenen gaaanz anders an: Sie ahnen es bereits.
Ja, - nämlich als Vorwurf!
Seine Leseweise ist nämlich folgende:
Digga, wann gedenkst du denn bitteschön endlich aufzuschlagen?
Weiter Übersetzt: Bist du immer noch nicht da, du Honk?
Und schon haben wir die fatale Situation, dass zwei Menschen ab Sekunde eins des Eintreffens der Nachricht und der maximal falschen Interpretation, anfangen, aneinander beginnen, vorbei zu
diskutieren.
Der Sender wird sich nämlich denken, warum ist der andere plötzlich so „bissig“ in seinen Antworten und der Empfangene wird denken: Warum geht er mir so auf den Sack / setzt mich hier so unter
Druck?
Die Folge:
Der vormals noch fröhliche Sender wird in seiner Stimmung kippen und der Empfangene ist schon durch mit allem, bevor überhaupt ein Treffen, auf das sich dieser ebenfalls, trotz des grade
waltenden Stresses, erwartungsfroh entgegengefiebert hat, auch nicht mehr freuen.
Diese perfiden, quasi unnötigen Nickeligkeiten, ausgelöst durch diese kleine Kommunikations-Maschine, die wir Handy nennen, führt zu absoluter Dissonanz.
Und man mag sich gar nicht vorstellen, wie sich das ausweiten kann, wenn es um wirklich wichtige (!) Themen geht.
Meine Domäne lautet deshalb stets: Wenn es wichtig ist oder eilig ist, - bitte anrufen. Denn sonst führt das Ganze zu einem sehr schlechten Ende.
Der noch weit schlimmere Punkt ist dann eben die von mir vormals erwähnte „Erwartung“ an das, was bitte mal schön „kommen soll“ … , wohlgemerkt: vom Anderen!
Motto: Wann bitte endlich erreicht mich die Botschaft des anderen? Ich habe doch geschrieben –- und der meldet sich nicht!
Und: Hey - Wie ausführlich kommt die Botschaft zurück? Entspricht diese bitte genau meiner Vorstellung was ich hören will Form und Inhalt
her.
Tja, es kommt auch hier, wie es kommen muss. W e n n die Botschaft dann endlich ´ping´ macht, ist der andere enttäuscht, weil sie nicht der Form und dem Inhalt entspricht, die ich mir
erhofft hatte.
Stimmung auf dem Nullpunkt, aus o.g. Gründen. Aber eigentlich ohne einen rechten Grund, oder?
Die Folge:
Der Empfänger ist eingeschnappt und schließt die Kommunikations-„Auster“.
Motto: Ich melde mich jetzt nicht mehr, weil du hast dich ja nicht so verhalten, wie ich das „wollte“. Ich bestrafe dich also jetzt für meine, eigene verquere Erwartungshaltung.
Sie merken also spätestens an dieser Stelle, wie anstrengend diese Kommunikation wird, obwohl keiner wirklich böse Absichten hat. Alles schaukelt sich hoch, weil man
es nicht persönlich regelt.
Es ist bezeiten perfide – dieses Social Media Kommunikationsspiel und es ist nicht locker fröhlich leicht über diesen blöden Handy-Apparat zu
kommunizieren.
Fazit: Wie immer hat das Handy die Macht über uns. Der Schreiber hat also letztlich die Macht.
Er übt diese aus mit dem was er schreibt und oft auch mit dem, was er nicht(!) schreibt.
Erst sobald die Nachricht angekommen ist, kann der auf der anderen Seite das Spielchen weiter treiben, denn er ist am Zug. Anstrengend oder?
Rufen Sie lieber an.
Alles kann gut gehen, aber alles auch genauso schief
laufen.