Blog Leben am Limit
´Leben am Limit´.
Eine Aussage, die mir durch den Kopf ging, als ich so mit dem Auto durch die Landschaft fuhr und ein Radiosprecher diesen Satz raushaute.
Ich merkte auf und grübelte kurz darüber nach. Und bemerkte, dass diese Aussage in zweierlei Kontext betrachtet werden könnte. Je nachdem, in welcher Lebenssituation man diesen verwendete.
1)
Ich kann „am Limit“ leben, wenn es mir nicht gut geht – insbesondere, wenn es mir finanziell nicht gut geht und ich Tag für Tag von der ´Hand in den Mund´ verlebe.
Es kann aber auch das genaue Gegenteil sein, indem ich am Limit lebe. Wenn ich also mein Leben so ausgestalte, dass ich mehr oder minder ständig oder beständig mit meinem Leben „spiele“.
Wobei das eine sehr interessante Redewendung ist! „Ich spiele mit meinem Leben“.
Eine Aussage die wir alle kennen, es aber nicht alle tun.
Was bedeutet das eigentlich? Gehe ich also mit meinem Leben rein spielerisch um?
Das hätte ja eher ein Charakter des „Schönen“, also des verspielt Lustigen.
Klingt auch irgendwie nett und harmlos, oder?
Versuche ich hier also idealerweise, mein Leben so zu gestalten, dass ich die meiste Freude daran habe? Es vor allem, nicht zu ernst zu nehmen? Keine Bürde darin zu
erkennen, indem ich die größtmögliche Abwechslung generiere, also den Tag derart spielerisch verlebe, das ich nicht weiß, ohne genau zu wissen, wie das Ende des Spiels ausgeht?
Das Problem beim Spielen ist immer: Ich kann sowohl gewinnen und alsu auch (kann) genauso verlieren.
Das ist doch aber der Sinn vom Spielen, oder? Werden sie denken. Stimmt, aber mit dem Leben zu spielen ist ja schon etwas anderes, als einen Jeton auf den Roulette Filz zu werfen und ohne Kohle nach Hause zu gehen.
Bedeutet also, ich verliere ggfs. mit dem ´Leben am Limit´ meine Existenz. Und das gilt gleichermaßen für beiderlei Interpretationen dieses Satzes
Mein Leben ist vorbei, wenn ich das Limit des Machbaren überziehe und es ist vorbei, wenn das Limit (finanziell) unterschritten wird, weil ich dann nicht überleben kann, weil ich z.B. verdurste oder verhungere.
Betrachten wir das noch mal etwas genauer:
So gibt es also Menschen, die jeden Tag aufs Neue ihr Leben „spielerisch“ einsetzen und somit am Limit ihrer Möglichkeiten auf ´Messers Schneide´ unterwegs sind.
Sozusagen immer sehenden Auges im Risikos den Tag begehen.
Wie ein Hochseilakteur die Dinge vollziehen – allerdings ohne Netz und doppelte Boden. ,
Sich dessen aber absolut bewusst sind und das Risiko eingehen. Dabei versuchen, den maximalen ´Joy and Fun´ aus der Situation heraus zu kitzeln.
Nicht umsonst heißt es ja auch den ´Nervenkitzel erleben´.
Dies kann auf verschiedene Arten und Weisen durchgeführt werden. Das kann z.B. sein: Leben in Extremen. Durch schroffe Natur oder Naturgewalten, also einer menschenfeindlichen Umgebung. Oder selbstgewählt: mit extremen Sport – in jeglicher Ausführung.
Jeder der Mal eine ´Red-Bull-Challenge angeschaut hat, weiß, wovon ich spreche.
Da sind Menschen, die alles tun, um sich selbst und ihre Umwelt zu beeindrucken.
Und wenn ich mir das so anschaue, denke ich stets, warum machen Menschen sowas? Warum stürzen sich Menschen mit einem Bodysuit/Wingsuit von Felsen und rasen an selbigen vorbei – mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit. Aktionen, bei denen ein einziger Wimpernschlag später, durch nur eine ungünstige Thermik, dein Leben radikal verkürzt wird, um es mal nett auszudrücken.
Welchen Nutzen hat so eine Aktion? Außer dem eben genannten Nervenkitzel, der nur für eine paar Minuten anhält, aber absolut tödlich enden kann und auch definitiv auch schon ist!
Ist also ein Leben am Limit das Interessantere, da ich es jeden Tag gefühlt und gewollt aufs Spiel setze?
Und ist nicht das andere Leben - am Limit - genau das Gegenteil, aber ggfs. mit dem gleichen Ausgang? Nämlich dem Versuch, einfach nur den Tag zu überstehen, mit den wenigen mir gegebenen Mitteln.
Und der Nervenkitzel im Grunde genommen darin besteht, ob ich es schaffe
mein Leben, um jeden Preis, zu erhalten?
Also zwei vollkommen konträre Betrachtungswinkel mit dem gleichen Ausgang.
Ist nicht der arme Mensch letztlich auch einem ständigen, lebensbedrohlichen Nervenkitzel ausgeliefert? Hier allerdings unfreiwillig und in der Regel auch nicht spielerisch.
Will nicht dieser Mensch sein Leben unbedingt erhalten, während der andere es im Grunde genommen jeden Tag ´wegwirft´, in dem er immer wieder die neuen, spektakulär gefährlichen Herausforderung sucht?
Es ist eine spannende Betrachtung, in wie weit diametral sich diese Aussage:
Am „Limit des Lebens zu stehen“ darstellt.
Kann ein Mensch, der am Limit mit dem absolute ungewollten Überleben kämpft, das Tun des anderen Limitbegehers überhaupt begreifen?
und
Ich kann mir vorstellen, dass Menschen, die um ihr nacktes Leben kämpfen, absolut null Verständnis für Menschen aufbringen, die ihr Leben mit Ansage opfern oder aufs Spiel setzen. Und diese sogar dafür gegebenenfalls auch noch jede Menge Geld ausgeben, um diesen Thrill zu erzielen.
Was meinen Sie? Was ist mutiger?
Was ist krankerweise gesellschaftlich (anerkannter) oder akzeptierter? Zu überleben? Oder das Leben ´über zu haben´, und es für den einen Kick zu riskieren, auch oder grade, wenn es dafür Bewunderung Applaus oder „Wertschätzung“ im Netz hagelt?
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