Das ist ein Kapitel, welches mich tatsächlich erst richtig berührt hat, seit dem ich das 47.te Lebensjahr erreicht habe.
Sterben gehört zum Leben dazu! Das ist ein weiser Satz, der bis heute seine Gültigkeit nicht verloren hat. Das ist doch selbstverständlich, denkt man. Aber dieses Gefühl, dass jemand von dieser Welt abtritt, ist heutzutage für mich nicht mehr so einfach und mit einem: „Ja klar, ist halt so!“ hinzunehmen.
Woran liegt das habe ich mich gefragt?
Nun, dieses quasi „Endgültige“ kann aus drei Blickwinkeln betrachtet werden:
Da wäre zum einen, dass die Menschen, die da von der Bühne abtreten, dir wohl bekannt sind und dich, mehr oder minder, schon einen großen Teil deines Leben lang begleitet haben. Damit werden sie unbewusst auch zu einem Teil deines Lebens.
Das ist also nicht mehr ein Schauspieler oder Sänger aus den guten alten 50ger Jahren, zu denen deine Eltern mitgeträllert haben und den du dadurch auch mittelbar kennst. Nein, das sind meist schon Personen, die dich seit in deiner Jugend begleiten. Du hast diese Personen in Filmen betrachtet, auf der Bühne erlebt und bewundert. Deren Songs eine lange Zeit mitgesungen. Das bedeutet irgendwie, bei Tod dieser Menschen stirbt mehr oder minder jemand „aus der Familie.“ Das macht doch schon betroffen.
Zweitens:
„Damals“ waren dir diese Person wenigstens 10 Jahre vom Alter her voraus. Seinerzeit war das eine kleine Welt an Zeit. Heute ist das eine Dekade, die eine sehr große Auswirkung haben kann. Denn 10 Jahre von deinem Alter nach vorne raus, also 60, können statistisch gesehen schon über Leben und Tod entscheiden.
Die Erkenntnis, dass du nämlich selbst langsam in einem Alter bist oder kommst, wo das Thema Endlichkeit eine neue Anschauung bekommt ist gewahr. Wen kümmert es als 21 jährigen, wenn ein 55 jähriger stirbt oder gar ein richtig „alter“ Mann/“alte“ Frau mit über 80 Jahren?
Mit Mitte/Ende 40 bist du kurz vor dem 10-Jahres-Sprung, der entscheidend für dich sein kann, wie weit es gehen kann oder eben nicht.
Als Drittes wird dir auch noch bewusst: Egal, was diese Menschen auch in ihrem Leben geschaffen oder erschaffen haben – zum Schluss bleibt in der Tagesschau nur ein lächelndes Portrait in schwarz/weiß übrig, welches mit Text unterlegt als Minutenmeldung über den Bildschirm flimmert. „Heute starb ... und jetzt die amtliche Wettervorhersage“. Das stimmt mich zuweilen traurig, weil es eindrucksvoll zeigt, dass am Ende von dir nicht wirklich etwas übrig bleibt, außer eben dieses kleine, graue Schlusslicht. Und das Schlimme ist für mich: Ich habe noch nicht einmal etwas geschaffen und ich werde daher nicht in den Tagesthemen erwähnt werden.