Auch eine Frage, die ich mir stellte, als mir eine Freundin davon berichtete, dass Sie ein Bedürfnis habe, auch mal mit anderen Männern etwas anzustellen. Sie aber Angst habe, dass ihr Freund sie wohlmöglich verlassen würde, wenn er es herausbekäme.
„Wäre das schlimm?“, fragte ich. „Ja,“ antwortete sie, „weil sie ihn über alles liebe“.
Tja, dachte ich, so etwas gibt also auch.
Das bereits im Kapital davor beschriebene Thema passt hier doch ganz gut dazu. Die Sehnsucht des Menschen nach einer ´perfekten´ Befriedigung.
Aber nähmen wir einmal an, es verhielte sich einen Tick anders.
Z.B. – meine Partnerin hätte zwar nicht ein permanentes Bedürfnis nach Sex, wie bei meiner Bekannten, sondern eher ein, sich einfach einmal ausprobieren zu wollen. Sich also einen Fehltritt erlauben zu dürfen, um das von ihr auf ein Podest gestellte Gefühl zu erkunden – ´ein anderer Mann kann das vielleicht besser als meiner?´
Zwei Dinge könnten passieren.
1)
Das es sich mit einem anderen Mann auch nicht viel anders oder besser anfühlt.
Mit dem Ergebnis:
Liebe machen mit dem Mann, den ich liebe irgendwie doch schöner ist.
Was die beste Variante wäre. Denn sie hätte nicht mehr das Gefühl, etwas zu verpassen, sondern könnte glücklich und beruhigt mit ihrem aktuellen Partner weiter leben.
2)
Der schlechtere Fall wäre das Szenario, dass der andere es tatsächlich viel besser macht und deine Freundin sich für einen Wechsel ihres Partners entschließt.
Betrachten wir das Szenario mal vor dem Hintergrund, dass sich beide also von Anfang an darüber bewusst sind, dass dieser Fall, also der Sehnsucht „Fremdgehen“ zu wollen, sich ausprobieren zu wollen, irgendwann mal eintreffen wird.
Beide Partner wüssten also, dass dieses Gefühlchaos sich irgendwann einstellt und gäben sich einen unglaublichen Joker in die Hand: Den „Du-darfst-einmal-fremdgehen-Gutschein“.
Was würde passieren?
Zwei Szenarien sind denkbar:
Szenario A)
Dieser Joker könnte, obwohl es im ersten Moment gar nicht so erscheinen mag, sogar ein größeres Hemmnis sein, Fremd zu gehen. Also diesen Freifahrtschein, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen, eben n i c h t einzusetzen. Denn, stillig wissend, dass ich diesen zücken kann, wüsste ich ja, dass es mein Partner es auch tun könnte und sogar mit großer Wahrscheinlichkeit würde, wenn ich den Anfang machte.
Also, sofern ich der/die erste wäre, würde ich damit eine Lawine lostreten, deren Endfolgen ich gar nicht absehen könnte und deren Auswirkung ich mitunter gar nicht haben wollte. Denn es könnte sein, dass mein Abenteuer eine Niete ist, während mein Partner die Erfüllung findet und ich ihn dann leider los wäre.
Also es für beide o.k. , aber das Hemmnis viel größer ihn einzusetzen, weil man weiß, wenn man der Erste ist, wird der andere dieses Privileg unweigerlich zücken.
Will man das dann wirklich?
Szenario B)
Wäre dieser Joker nicht ebenso eine Art Beziehungs-Entspanner?
Nämlich, die Option die Beziehung einfach weiter laufen lassen zu können, ohne, nach dem Fehltritt, lästige, blöde und vorwurfsvolle Fragen an den Kopf geworfen zu bekommen, die unweigerlich ausgelöst würden?
Für wen also, könnte ein solcher Joker interessant sein?
Könnte dieser in der Lage sein, Beziehungen zu retten, die sonst eigentlich verloren wären?
Beziehungen aus dem im Szenario A geschilderten Fall sogar verlängern, weil keiner davon Gebrauch machen würde oder nach dessen Gebrauch mitunter das tolle Gefühl herbeiführen würde, dass man jetzt weiß, dass der aktuelle Partner einem doch voll und ganz reicht?
Fazit:
Manchmal möchte man ggfs. Freiheiten die man zugestanden bekommt gar nicht erst testen. Es sind oft nur die Normen und Konventionen, die Gefühle einzwängen und damit erst den Wunsch auslösen, sich daraus befreien zu wollen.
Dieser Joker, könnte das enge Band des Korsetts loslösen und mir die Option geben, die, sobald ich etwas darf, gar mehr so dringlich tun muss.